Durchfallerkrankungen

Vermeidung und Behandlung infektiöser Durchfallerkrankungen,
Bezirk Bajura im Westen Nepals

Seit November 2013 führt PHASE in 5 VDCs (Village Development Committees) im Bezirk Bajura ein zweijähriges Schwerpunktprogramm zur Bekämpfung und Behandlung von Durchfallerkrankungen durch. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit anderen Projekten, die in der Region Humla/Bajura/Mugu von PHASE Nepal implementiert werden, die sich zum Ziel setzen, die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung in einem der entlegensten Gebiete Nepals zu sichern.

Karte Bajura

Bezirk Bajura mit Projekt-VDCs

Das Projekt umfasst umfangreiche Aufklärungs- und Informationsmaßnahmen, Trainings für Mitarbeiter/innen in Gesundheitsposten der Regierung, Trainings für Multiplikatorinnen (Müttergruppen, ehrenamtliche Helferinnen) und Informationsveranstaltungen bzw. Posterkampagnen für die Bevölkerung. Dabei liegt das besondere Augenmerk auf der Vermeidung der Übertragung von infektiösen Durchfallerkrankungen (sanitäre Maßnahmen, einfache Wasseraufbereitung) und der Aufklärung über die Behandlung von Durchfallerkrankungen.

Dieses Programm wird die Lebenschancen und Gesundheit von insgesamt 25.000 Menschen im Zielgebiet verbessern.

Ursprünglich waren zwei andere VDCs für das Projekt vorgesehen (Rugin und Kotdanda im Bezirk Mugu), doch im Zuge der konkreten Projektplanung wurde klar, dass die Distanzen praktisch für das Projekt einen großen Zeitverlust bedeuten würden. Zusätzlich hat der Austausch dieser beiden VDCs mit Baadu und Kotila den Vorteil, dass sich damit die Zielbevölkerung um 3.500 Menschen erhöht.

logowien
Dieses Projekt wurde durch die Förderung der Auslandsabteilung der Stadt Wien im Rahmen des Calls „Globale Gesundheit“ 2013 ermöglicht.

Kontext: Region: Bajura und Mugu

Die Region ist eine der unterentwickeltsten und entlegensten in Nepal: In der Bezirksrangliste der Entwicklung stehen die Bezirke an 71. und 73. Stelle (von 75), der Großteil wird als Hochgebirge klassifiziert, es gibt keine befahrbaren Straßen. Im vergangenen Bürgerkrieg war die Region stark betroffen, die Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur geht nur langsam voran. Unzureichende Bewässerung, schlechte Böden und Anfälligkeit für Klimawandel bzw. Naturkatastrophen führen dazu, dass dies eine der am meisten von Ernährungsunsicherheit betroffenen Regionen der Welt ist. In einer Studie von 2008 gaben nur 14,5% der Befragten an, dass in ihrer Familie Gemüse gegessen wird, und nur 5,5% wussten mit dem Begriff Mangelernährung etwas anzufangen. Die Abwanderung führt in den Dörfern zu einem Arbeitskräftemangel, was die Belastung derjenigen, die dort bleiben (vor allem Frauen) erhöht, und dazu führt, dass kultivierbares Land brach liegt. Im nationalen Durchschnitt sind bei 19% der Geburten qualifizierte HelferInnen anwesend, in der Region (mit Ausnahme der Gemeinden im Einzugsgebiet der von PHASE betriebenen Gesundheitszentren) sind es nahe 0%. Es gibt nur sehr eingeschränkten Zugang zu Familienplanung, die meisten Familien haben keine ganzjährige sichere Wasserversorgung oder sanitäre Einrichtungen.

Die Region war stark durch den zehnjährigen bewaffneten Konflikt betroffen, was die Situation verschlimmert hat: Der Großteil der Zielregion war für Regierungsdienste nicht zugänglich, die Transportsituation wurde noch schlechter. Hohe saisonale Arbeitsmigration führt dazu, dass die Bevölkerung für sexuell übertragbare Krankheiten und HIV anfällig ist. Die meisten Menschen kennen keine regelmäßige medizinische Versorgung und wissen nicht, was sie erwarten und fordern können.

Der zentrale Ort der Zielregion, Kolti im Bezirk Bajura, ist über den Luftweg zugänglich, nicht aber über eine Straße. Das Primary Healthcare Centre, das dort besteht, sollte mit einem Arzt/einer Ärztin und mehreren weiteren medizinischen Hilfskräften sowie Labor- und Verwaltungspersonal ausgestattet sein. Tatsächlich war nie ausreichend ausgebildetes Personal vor Ort, es gibt keine derartigen Dienste. Die Stadt liegt zentral in einer relativ dicht besiedelten Gegend und bildet den Ausgangspunkt für das geplante Projekt.

Das Projekt steht im Kontext von bereits laufenden und geplanten PHASE-Projekten in der Region: Seit März 2008 betreibt PHASE in Humla in zwei Gemeinden (VDCs – Village Development Committees) Gesundheitsposten mit Schwerpunkt Geburtshilfe, Müttergesundheit und Kleinkinder. Auch in diesen Gemeinden war die Sterblichkeit durch jährlich auftretende Durchfallepidemien hoch: 25 Erwachsene starben im Sommer 2007. Seit dem Beginn des PHASE-Projektes im März 2008 wurde trotz häufiger Infektionsausbrüche in diesen Gemeinden kein einziger solcher Todesfall verzeichnet.

Ab Mitte 2013 plant PHASE Nepal dort ein Projekt, das sich dieser Situation annehmen wird: nach einer Bestandsaufnahme in den Zielgemeinden wird das Primary Helathcare Centre wieder aufgebaut und mit Personal ausgestattet (Health Assistant, Krankenschwester, vier weitere medizinische Mitarbeiter/innen), und in das existierende Austauschprogramm mit britischen GPs (Allgemeinmediziner/inne/n) einbezogen, sodass auch hochqualifizierte Allgemeinmedizinerinnen etwa 2 Monate im Jahr zur Fortbildung der MitarbeiterInnen beitragen. Eine Partnerschaft mit einer Nepalesischen Medizinischen Hochschule (Chitwan Medical College) verspricht auch die regelmäßige Anwesenheit von voll ausgebildeten Nepalesischen Ärzten/Ärztinnen

Die Bevölkerung des Zielgebiets für das neue Projekt setzt sich laut nepalesischer Volkszählung 2011 folgendermaßen zusammen:

Bevölkerungsstatstik

In dieser Region liegt die Lebenserwartung 10 Jahre unter dem nepalesischen Durchschnitt (Daten: ICIMOD, 2003). Eines der identifizierten Probleme sind periodische epidemische Durchfallerkrankungen – 2009 starben in der Region innerhalb eines Monats 400 Menschen an infektiösem Durchfall. Die Bevölkerung hat so gut wie keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen (Toiletten).

Das Projekt wurde im November 2015 abgeschlossen, hier finden Sie den PHASE Austria_Projektbericht