Erdbeben 25. April 2015

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Nach dem Erdbeben am 25. April galt der erste Gedanke der Sicherheit unseres Teams in Nepal – der zweite ihrer Unterstützung für die Katastrophenhilfe in den schwer zerstörten Bezirken Gorkha und Sindhupalchok.
Im Verlauf der Tage hat sich einiges an Information angesammelt, in diversen Zeitungen erschienen Artikel, und nicht alles lässt sich in einer „Statusmeldung“ gut verarbeiten.
Hier wollen wir also zusätzliche Informationen anbieten, unsere Präsenz in der Presse archivieren, und nicht zuletzt dokumentieren, wie die Hilfe verläuft, was sich in anderen Projektregionen tut, und wie die weiteren Pläne sind.

Wir danken allen Spender*innen für ihre Hilfe, Spenden bitte an PHASE Austria IBAN: AT082011128763889200 – BIC: GIBAATWW

Diese Karte zeigt die PHASE-Projekt-VDCs (Village Developemnt Committees – Dorfgemeinden, meist ca. einen Tagesmarsch Umfang mit mehreren Dörfern oder „Wards“) in Gorkha und Sindhupalchok als blaue rot umrandete Punkte. Alle anderen Punkte zeigen die Erdbeben über Stärke 4,5 in den letzten Tagen – das stärkste Beben als grünen Punkt:

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Seit dem ersten großen Erdbeben gab es zahlreiche Nachbeben bzw. weitere Beben – per 21. Mai waren es 115, darunter auch das schwere Erdbeben der Stärke 7,3 vom 12. Mai, das besonders unsere Projektregionen in Sinhupalchok wieder schwer getroffen hat. Ein Überblick über die Erdbebenaktivität findet sich auf dieser Webseite.

Gorkha:
In Gorkha betreibt PHASE Nepal in sechs Village Development Comittees Gesundheitsposten und ein Schulprojekt in Chumchet. Siebzehn PHASE-Mitarbeiterinnen (darunter einige Praktikantinnen und eine englische Ärztin) waren zum Zeitpunkt des Bebens dort, sie sind heute (29.4.) noch immer vor Ort. Alle Gesundheitsposten sind eingestürzt. Kashigaun, eines der Projektdörfer, ist auf beiden Seiten durch Erdrutsche eingeschlossen. Viele der Mitarbeiterinnen haben auch ihre eigenen Häuser in ihren Heimatdörfern verloren.
Erste Einschätzungen gehen davon aus, dass 70 bis 80% der Häuser zerstört sind. Über die Zahl der Opfer gibt es noch keine verlässlichen Zahlen.
PHASE Nepal arbeitet fieberhaft daran, dringend benötigte Notfallhilfe (Decken, Zelte bzw. Planen, Reis, Medikamente) in dieses Gebiet zu bringen. In den letzten Tagen waren keine Hubschrauber für Hilfseinsätze verfügbar, sie wurden alle für Evakuierungen von Schwerverletzten gebraucht.
Durch schwere Regenfälle wird die Situation noch verschärft – Hilfseinsätze werden verzögert, die Nächte sind kalt und feucht …
1.5.2015: Mittlerweile haben wir Nachricht, dass zumindest einige unserer Projektdörfer die dringend benötigte Hilfe erhalten haben – zumindest für einige Tage ist ihre Versorgung gesichert. In Chumchet konnte unsere Mitarbeiterin mit Hilfe der Armee die Medikamente aus den Trümmern des Gesundheitspostens ausgraben, und kann nun wieder Patient*innen versorgen. Aus einigen Dörfern wurden unsere Mitarbeiterinnen ausgeflogen, in anderen leben sie mit allen anderen Bewohner*innen in Zelten.
21.5.2015: Die Hilfe läuft weiter, die Dörfer konnten nun alle erreicht und mit dem Nötigsten versorgt werden. Allerdings steht jetzt zunehmend die Frage im Raum, wie festere Unterkünfte für die Monsunzeit und den Winter gebaut werden können – der eigentliche Wiederaufbau wird sicher Jahre dauern.

Sindhupalchok:
Aus Sindhupalchok haben wir wesentlich mehr konkrete Informationen, weil es noch auf dem Landweg zugänglich ist, und auch, weil Dr. Gerda Pohl das Beben dort erlebt hat. Die meisten Fotos, die wir bisher gezeigt haben, stammen von dort. Auch war am 27. April Mark Zimmermann vom Nick Simons Institute, einer mit PHASE befreundeten NGO, in Sindhupalchok – zwar nicht in unseren Projektdörfern, aber sein Bericht entspricht dem Eindruck, den Gerda geschildert hat: 80-90% der Gebäude sind unbewohnbar, 20-30% völlig zerstört. Nur 5% der Häuser scheinen unbeschädigt zu sein. In beinahe jedem Dorf gab es Tote.
Die Menschen leben in behelfsmäßigen Unterschlupfen auf den Feldern, die Nahrung wird knapp.
Mark Zimmermann berichtet auch, dass es keinerlei Anzeichen gab, dass internationale Hilfe diesen Bezirk erreicht.
Am 29. April ging die erste PHASE-Hilfslieferung von Kathmandu aus nach Sindhupalchok – Reis, Zelte, Medikamente werden in Kürze in diesem extrem schwer betroffenen Bezirk eintreffen.
Die drei Mitarbeiterinnen, die seit dem Beben in Hagam und Fulpingkot waren, werden von drei Mitarbeiterinnen aus Projekten in Bajura (im Westen Nepals, der vom Beben nicht so stark betroffen ist) abgelöst, die eigentlich im Urlaub sind.
Wir haben auch erfahren, dass das Gebäude der Sekundarschule in Yanlakot (Hagam), das von PHASE Austria finanziert wurde, noch steht!
2. Mai: Mittlerweile wird deutlich, dass Sindhupalchok nicht nur in Bezug auf die Zerstörung einer der am schlimmsten betroffenen Bezirke ist, es gab hier auch mehr Tote als in jedem anderen Bezirk (einschließlich Kathmandu!). Eine Karte vom 1. Mai zeigt die Situation:
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Am ersten Mai konnte ein PHASE-Team Hilfsgüter bis an einen Verteilungspunkt bringen, wo die Einwohner*innen des VDC Fulpingkot sie sich abholten. Sie haben sich mittlerweile in „Wards“ (Unterteilung der VDCs) organisiert, um die Verteilung der Hilfsgüter zu verwalten.
21.5.2015: Die Verteilung von Hilfsgütern – Reis, Planen, Schlafmatten, Wasserkanister und -krüge, Schnüre, Decken, … – läuft weiter. PHASE Nepal hat für fünf Village Development Comittees (VDCs) in Sindhupalchok, darunter auch Hagam und Fulpingkot, ein Kooperationsabkommen mit der Caritas Deutschland und Österreich abgeschlossen.

Kavrepalanchok:
In Rayale im Bezirk Kavrepalanchok betreibt PHASE einen Gesundheitsposten. Drei Mitarbeiterinnen und eine englische Ärztin waren zum Zeitpunkt des Bebens dort und sind weiterhin vor Ort. Der Gesundheitsposten steht noch.

Far West:
Die PHASE-Projekte in den Bezirken Humla und Bajura sind kaum betroffen – die Gesundheitsposten stehen, die Projekte laufen weiter.

Hile:
Die Schule in Hile im Bezirk Okhaldunga steht auch noch – in Hile ist ein Haus zerstört, es sind keine Toten zu beklagen. Tendi, unser Kontaktmann, hat derzeit keine weiteren Informationen, weil er mit seinen zwei ältesten Kindern in Kathmandu ist – auch ihnen ist glücklicherweise nichts passiert.
Update 2. Mai: Leider haben wir von Tendi erfahren, dass die Schäden in Hile doch wesentlich größer sind – mittlerweile sind 13 Häuser zusammengebrochen. Wir haben PHASE Nepal gebeten, Tendi mit Planen auszustatten, die er dann nach Hile bringt.

Überblick über die Schäden in den verschiedenen Bezirken
Eine Seite der nepalesischen Regierung bietet einen Überblick über die Schäden und Verluste in den einzelnen Bezirken: Nepal Disaster Risk Reduction Portal.